Anne Riecke zu TOP 11 "Effiziente datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung sicherstellen"

Anne Riecke

In ihrer Rede zu TOP 11 (Effiziente datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung sicherstellen) erklärt die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Anne Riecke:

"Der Antrag der SPD-Fraktion greift ein Thema auf, das in der Bildungspolitik seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es geht um Lernstandserhebungen, um Bildungsmonitoring, um Verlaufsdaten – und letztlich um die Frage, wie wir aus den vielen Informationen über das Lernen unserer Schülerinnen und Schüler tatsächlich bessere Bildung machen können. Denn eines ist unbestreitbar: Im Bildungswesen stehen heute deutlich mehr Daten zur Verfügung als noch vor einigen Jahren. Digitale Lernplattformen, Vergleichsarbeiten, zentrale Prüfungen oder Bildungsberichte liefern eine Vielzahl von Informationen über Lernstände, Kompetenzen und Bildungsbiografien.

Der entscheidende Punkt ist jedoch nicht, ob wir Daten haben. Der entscheidende Punkt ist, ob wir sie sinnvoll nutzen. Und genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Herausforderung. Ein viel zu häufiges Problem in unseren Bildungseinrichtungen – nicht nur in Schleswig-Holstein – ist leider, dass Konzepte und Lehrmethoden ohne hinreichenden Wirknachweis in den Schulen ausgerollt werden. Die dafür notwendigen Datenerhebungen und wissenschaftliche Erkenntnisse werden in unseren Schulsystemen zwar in Teilen erhoben oder bereitgestellt, aber leider nicht oft genug konsequent ausgewertet und erst recht nicht angewendet. Das Experiment an Hamburger Grundschulen mit der – mittlerweile verbotenen Methode – 'Schreiben nach Gehör' ist erst wieder abgeschafft worden, nachdem Studien nachweislich ihre Schwächen aufgedeckt haben und das Programm schon eine Zeitlang gelaufen war. Das Ziel müsste es aber sein, dass ungeeignete Methoden gar nicht erst zugelassen werden, weil entsprechende Daten frühzeitig zeigen, dass sie nicht funktionieren. Dazu muss es aber den Willen geben, Daten auch entsprechend zu nutzen.

Sie zu erheben nützt nämlich erst einmal niemanden, im Gegenteil: Sie kosten Zeit und Ressourcen, die im schulischen Umfeld ohnehin knapp sind. Und diese Daten, die mit viel Aufwand erhoben werden, verschwinden viel zu häufig in der Schublade oder aber werden genau dann rausgeholt, wenn sie die eigene Sichtweise stützen. Wir müssen den Schritt dahin unternehmen, dass wir die Daten ehrlich, sachlich und vorbehaltlos analysieren und daraus ideologiefrei unsere Schlüsse ziehen. Nur dann haben Daten tatsächlich auch einen Zweck. Es geht nicht darum, jemanden und seine Methoden zu brandmarken oder einen Wettbewerb zu entfachen. Wir müssen einfach viel besser wissen, wie wir unsere Kinder erreichen können. Wenn 20 Prozent der Grundschüler die Mindestanforderungen im Lesen, Rechnen und Schreiben nicht erreichen, dann können wir es uns nicht länger leisten, Zeit zu vergeuden.

Der zweite wichtige Schritt ist, dass wir von dem Gedanken wegkommen müssen, dass das Aufzeigen von Schwächen oder einer Lehrmethode durch Datenerhebung zu einer Stigmatisierung oder Ausgrenzung führen, die unter allen Umständen vermieden werden muss. Wenn bei einem Kind Sprachdefizite festgestellt werden und daraus eine Förderung abgeleitet wird, dann hat das nichts mit Stigmatisierung zu tun, sondern mit Verantwortung und Fürsorge. Es ist absolut nichts gewonnen, wenn wir Kinder einschulen, die aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse dem Unterricht nicht folgen können und die von Anfang an keinerlei Chance auf eine funktionierende Bildungskarriere haben. Vor diesem Hintergrund unterstützen wir den SPD-Antrag und freuen uns über die weiteren Diskussionen zu dem Thema."

Sperrfrist Redebeginn!

Es gilt das gesprochene Wort.